Wir stecken mittendrin. Fastenzeit ist die Zeit zwischen Fasching und Ostern, zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag, Zeit der Busse und des Gebetes. So kennt man es in der Kirche. Dabei ist diese Zeit so viel mehr. Die einen lehnen sie ab, die anderen kennen sie nicht richtig, manche probieren es andere verweigern sie kategorisch. Die erste Assoziation ist meistens es geht ums Essen. Ich kenne aber auch Menschen, die sich eine Fastenzeit von Facebook & CO nehmen. Andere nehmen keine gesellschaftlichen Termine wahr und ziehen sich komplett zurück, andere nehmen sich bewusst in dieser Zeit Coaching oder Therapiestunden um wichtige Themen zu heilen. wie man sieht – es scheint mannigfaltige Wege zur „Auferstehung“ zu geben… Aber schön der Reihe nach…

Fastenzeit – 40 Tage?

Das mit den 40 Tagen, das war nicht immer so. Die Fastenzeit kennt man seit dem 2. Jhd. wo man eine zweitägige Trauserfastzeit am Karfreitag und Karsamstag festlegte. Im 3. Jhd. wurde diese Zeit auf drei Wochen verlängert bis es um das 4. Jhd auf 40 Tage extendiert wurde, wobei man die Sonntage als Fasttage niemals mitrechnete. Die 40 Tagen kommen einerseits vom ebensolchen Fasten Christi in der Wüste, man kennt diese Zahl auch von den 40 Tagen der Sintflut oder auch von den 40 Tagen die Mose am Berg Sinai verbrachte. Die Fastenzeit vor Ostern kennt man meistens, die vor Weihnachten wird oft anders erlebt und ist uns allen als Adventszeit bekannt. Was jedoch weniger bekannt ist, ist dass die Hochfeste eine Fasten und eine Feierzeit haben. Die Weih Nachtzeit geht bis Maria Lichtmess und die Osterzeit bis Christi Himmelfahrt, jeweils 40 Tage nach dem eigentlichen Fest.

Doch zurück zur Fastenzeit: Je nach dem ob mit oder ohne Sonntage geht die Fastenzeit bis zum Palmsonntag oder bis zum Gründonnerstag. Im Mittelalter war in der Fastenzeit nur eine Mahlzeit erlaubt, die man meistens am Abend einnahem; im Islam ist es während des Ramadans heute noch so. In dieser Mahlzeit war Fleisch, Käse, Milch, Alkohol und Eier verboten – in der Ostkirche ist das bis auf den Alkohol heute noch so. Da gibt es auch mehrer Stufen des Fastens von leicht bis streng, wo Öl beispielsweise an Mittwochen und Freitagen auch verboten ist. Heute ist es in den Westkirchen nicht mehr so streng gesehen in der Ostkirche ist die Fastenzeit gesellschaftliche derart etabliert , dass man in Lokalen jederzeit Fastenspeisen bekommen kann.

 

Fastenzeit – nur für Religiöse oder doch für Jedermann?

Nun, wenn ich vom Fasten höre, schwingt auf Grund meiner religiösen Prägung, dieser Gedanke mit. Doch gleich danach fallen mir Begriffe wie Balance, Rückzug, zu sich finden, erleichtern, ab und loslassen, Ausgleich und letztlich auch Erholung. Der Weg dorthin  kann aus vielerlei Möglichkeiten bestehen. Bewegung, Mediation, Yoga ist die eine Seite, Fasten die andere. Das Fasten erfreut sich seit vielen Jahren immer grösserer Beliebtheit. Dabei geht es nicht (nur) um Gewichtreduktion. die Wissenschaft kennt im Fasten schon seit einer Weile heilende Kräfte, die in diesem Prozess aktiviert werden und sogar den Alterungsprozess verlangsamen können.

Doch was passiert mit unserem Körper, wenn wir derartiges lostreten und ihn damit in eine Notsituation bringen? Gehen wir in eine Schlummersituation ähnlich den Tieren, wenn sie in Winterruhe kehren, oder können wir aus der Leichtigkeit neue Kraft schöpfen? Wie gut kann unser Körper den offensichtlichen Mangel wegstecken und lässt sich aus dieser Aktion langfristig und nachhaltig Kapital schlagen?

Ich habe vor einigen Jahren mich zum ersten Mal in meinem Leben dem Fasten hingeben, sowie es meine Mutter von jeher praktiziert. 40 Tage vegan hinzu kein Alkohol und damit bis auf Honig auch die Reduktion von Zucker. Es war noch der dazu eine Zeit, in der man in Lokalen seine Schere Not hatte etwas brauchbares und vielleicht auch noch mal nicht aus der Tiefkühltruhe zu bekommen. In den ersten drei Wochen purzelten zwar ein paar Kilos, aber eigentlich nicht der Rede wert. Doch am Tag genau, nach drei Wachen, wachte ich um 5.30 Uhr in der früh auf – und glaubt es mir, das ist wirklich nicht meine Zeit! – und ich war richtig hell und wach im Kopf. Ich verspürte ein Gefühl von Leichtigkeit, so als könnte man über den Boden schweben…

 

Fasten in ein leichtes Leben

Es hielt an, bis zum Ende der Fastenzeit und eine Weile darüber hinaus. Ich kann mich noch gut erinnern, wie leicht mir alles von der Hand ging. Natürlich war ein Teil des geschmolzenen Gewichts innerhalb eines Jahres wieder drauf, aber ich hatte mir zwei vegane/vegetarische Tage in der Woche erhalten. Das wäre eine der Erkenntnisse, eine zweite war wie direkt und auf gewisse Weise auch wie rasch wir durch Ernährung wir auf unseren Körper Einfluss nehmen können und wie dieser sich auf Geist und Seele auswirkt.

Es war ein Gefühl dass ich mir erhalten wollte, sodass ich dieses fasten insgesamt drei Mal wiederholte, mit unterschiedlichem Erfolgen. Das grosse Lernen war jedoch, dass der Körper sich nach einer Woche gut umstellen kann und eines Tages beginnt aus seinen Reserven zu zehren. Das ist so, wie wenn wir nicht mehr einkaufen gehen und beginnen zu schauen was im Vorratsschrank liegt und was wir verwerten können. Der Körper kann das sehr gut, er wertet einfach alles was da ist. Die Wissenschaft nennt diesen Prozess – Autophagie. diese Erkenntnis ist nicht zuletzt durch Rüdiger Dahlke bekannt geworden und ist vielfach schon Premiere worden. Intervallfasten, Ketodiät u.ä. entsprechen dem gleichen Gedanken und sind heute mittlerweile auch schon weit verbreitet.

 

Leben mit Fasten

Fasten ist in der Tierwelt nicht bekannt, noch ist möglich neurologisch dieses in Hirnregionen oder Neuronenprozessen abzubilden. Und doch ist es biochemisch nachvollziehbar, das Nahrungskarenz im Körper Prozesse lostritt. Es ist eine willentliche Entscheidung des Menschen. Es ist ein Vorgang in dem sich der Mensch mit bestimmten Anpassungstechniken seiner Umwelt auf neue Weise anpasst. Der Organismus bekommt eine Optimierung, die sogar Seglbstheilungskrafte in Gang setzt. Anselm Grün nennt dieses Geschen ein Zusichkommen und ein Aufdecken, wer ich wirklich bin. Carl Jung ging soweit es Individualisierung zu bezeichnen. Spannend, oder?

Sozialwissenschaftlich ist es ein Zeichen der Erinnerung, dass wir im Stande sind in einer leistungsstarken Gesellschaft, unseren Konsum in einem existentiell  notwendigen Bereich einzuschränken, dabei weder umkommen noch an Lebensqualität verlieren. Ganz im Gegenteil, wir bauen stress ab, reinigen innen und auch aussen spürbar und gewinnen dadurch Energie und Lebenszeit. doch wie wirkt sich unser Verhalten des Fastens auf unser soziales Leben aus wenn wir das Gefühl von Knappheit täglich erleben müssen? Zunächst schärfen wir unsere Sinne und den Fokus. Wir beginnen auf Etiketten zu lesen, was in unserem Essen tatsächlich drin ist und wieviel davon wir tatsächlich essen dürfen/sollen. das geht schließlich bis hin zur Entwicklung eines Tunnelblickes, dass man ausser veganes Essen nicht anderes mehr sieht. Interessant dabei ist die Frage, wie weit sich dadurch eine soziale Isolierung ergibt, oder es gelingt diese Besonderheit gut zu integrieren.

Fasten und Astrologie

Astrologisch betrachtet, passt die Fastenzeit in die Zeit der Fische. Der Rückzug zu sich selbst, die Zeit um sich nicht nur physisch sondern auch seelisch von alten Schicken und Balast zu befreien. die kosmische Energie der Fische unterstützt hier das Loslassen. Astrologisch ist es das Ende des Jahres in dem Platz geschaffen wird, sich leicht machen um bereit für das neue Jahr zu sein, das mit 21. März Einzug hält.

Mit der Fastenzeit steuern wir so richtig auf die Auflösung eines Jahreskreises zu, und gewinnen damit die Chancen Luft zu machen, damit neue Energien sich entfalten können. Wenn wir uns schlackig fühlen und glauben, dass der Tank leer ist – Müdigkeit hier ein gutes Zeichen sein kann, so  ist das ein Zeichen, dass Körper, Geist und Seele eine Pause brauchen. Da sind wir gut beraten, darauf zu hören. Denn auch in diesen Ruhephasen arbeitet der Körper weiter und er kommt zu jenen Aktivitäten, die er nur so bewältigen kann. Das YingYang ist ein gutes Beispiel für die Balance im Leben – man steigt einen hohen Berg hinauf und entdeckt oben neues Land. Erst nach einer Erholungsphase kann man Neues erobern…

Mein Fasten für mich

Letztlich gilt es für jeden von uns, den für sich optimalen Weg zu wählen. Ich glaube, das es zu einem gesunden Weg im Leben gehört, das System zu erboten, Raum zu schaffen um leichter atmen zu können und dem Körper die Möglichkeit zur Ruhe und eigenen Verwertung zu geben. Dabei ist Hunger nicht notwendig, es gilt vielmehr um Umschichtung und Aktivierung von Ressourcen. Die Leichtigkeit und Frische, die dabei im Kopf entsteht ist dabei nicht zu unterschätzen. Körper und Geist fit zu halten ist schon immer ein hoher Wert gewesen, der uns zuletzt auch in Bewegung bringt. Übrigens ein wichtiger Faktor in der Zeit des Fastens, den Köper auch zu aktivieren.

Ich für meinen Teil kann es jedem von Euch nur wärmstens ans Herz legen, ganz gleich welchen Weg man geht, Hauptsache man tut etwas… und ich werde heuer etwas Neues probieren und werde euch dann davon berichten…

 

Happy Fastenzeit! ❤️

 

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