Unlängst war in der Zeitung zu lesen, dass Ingrid Betancourt in einem Buch, das in diesen Tagen erscheint, ihre Geschichte erzählt. Einer der darin angeführten Punkte, die man ihr seit ihrer Entlassung anlastet, war, die Geschehnisse jener Tage ihrer Entführung für sich behalten zu haben. Quasi keine Gegenleistung erbracht zu haben für die Mühen und Kosten die ihre Entlassung gekostet haben.

Ist das so? Hat das französische Volk und die Allgemeinheit überhaupt ein Anrecht darauf? Hat man wegen einer guten Story ein Menschenleben erkauft?

Es ist tatsächlich interessant zu beobachten, wohin sich eine Gesellschaft entwickelt, die ihren Fokus auf das Leben anderer richtet. Und das so sehr, dass ganze Berufszweige ihre Existenz darauf begründen, wie Photographen die ständig auf der Jagd nach exklusiven und nicht zu vergessen höchst privaten Augenblicken sind, diese festzuhalten versuchen. Ganze Industriezweige an Glanzblättern, die sich der Transformation von Privacy in öffentlicher Begierde widmen, bringen höchst sensible Augenblicke in die Hand von Jedermann, um schliesslich auf einen beliebigen Tisch eines Wartezimmers zu landen.

Beachtenswert wiegleich auch besorgniserregend ist das Recht, das auf derartige Storys zu erwachsen scheint. Es ist das Recht das zum Nährboden für Forderungen solcher Art wird. Es sind Forderungen, die das Leben der Opfer in einen Alptraum einer Jagd gedeihen lässt.

Und die Alternative? Den Fokus auf das eigene Leben zu richten und die Aufmerksamkeit den guten Geschichten zu widmen, abseits von der Couleur einer Badehose, die in der Ferne auf irgendeiner Yacht unscharf dargestellt wird. Es sind die guten Geschichten, die die Antworten warum sie erzählt werden in sich birgt, es sind die Geschichten die freiwillig erzählt werden und aus denen wir, diese wertschätzend erfahrend, für unser Leben lernen können.

Frau Betancourt hat ihre Geschichte erzählt, aus freien Stücken….